#GOODTHING - Elise von COCLICO entwirft Kindermöbel nach der Montessori-Philosophie

In unserer Reihe #GOODTHING stellen wir euch kreative Mütter vor, die inspirierende Produkte entwerfen und sich für eine positive Veränderung in der Welt einsetzen. Wir wollen herausfinden was sie bewegt, wie sie Mutter-Sein und ihre Firma unter einen Hut bringen und wie sie sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

In unser neusten Ausgabe sprechen wir mit Elise. Mit COCLICO entwirft sie Kindermöbel nach dem Montessori-Prinzip, und hilft Kindern so, sich zu Hause selbständig zu entwickeln und zu entfalten. In unserem Interview erzählt uns Elise, wie es zu ihrer Leidenschaft zu Montessori kam, welche Rituale in ihrem Tag auf keinen Fall fehlen dürfen und wie sie mit der Verantwortung umgeht, Mutter und Chefin in einem zu sein. Aber wir wollen gar nicht zu viel verraten, lest einfach selbst!

Montessori furniture 1COCLICOs Gründer Elise and Steffen, Geschäfts- und Lebenspartner © COCLICO

Hi Elise, erzähl uns am Anfang gerne etwas von dir und deiner Familie. Wie bist du aufgewachsen, wo wohnt ihr jetzt und wie kann man sich euer Familienleben vorstellen?

Hey, ich bin Elise, 39 Jahre alt, komme aus der Normandie und lebe mittlerweile seit 21 Jahren in Deutschland. Aufgewachsen bin ich in Caen in einer “europäischen“ Familie mit französischen, spanischen und italienischen Wurzeln. Allerdings hatte ich vor Deutschland etwas ganz anderes geplant. Ursprünglich wollte ich angewandte Sprachen studieren und später Dolmetscher für die EU werden. Seit ich in der 3. oder 4. Klasse von der Europäischen Gemeinschaft hörte und eine gemeinsame Währung eingeführt werden sollte, hatte ich den Traum des Friedens gefunden und wollte unbedingt Teil davon werden.

So kam es dann nicht: nach meinem 6-wöchigen Aufenthalt als Au-Pair habe ich mit 18 Jahren entschieden, ganz allein nach Deutschland zu ziehen und dort zu studieren. Geplant waren zunächst nur 6 Wochen für den Au-Pair Job im Sommer ‘98. In dieser Zeit habe ich aber Steffen, heute mein Mann und Geschäftspartner, kennen- und liebengelernt. Was man für die Liebe nicht alles macht! ;)

Ich habe das erste Jahr die Sprache gelernt, alles Mögliche gejobbt (sogar Rasen für die Kommune gemäht) und ein Sprachdiplom geschrieben. Nach meinem Studium in BWL und Recht zog ich nach Frankfurt und habe dort in Unternehmen wie Accenture oder Thomson Reuters als Human Resources Manager gearbeitet.

Heute leben wir, mein Mann, meine 2 Söhne und ich, in Freiburg im Breisgau. Nach fast 15 Jahren in Frankfurt haben wir uns entschieden, ins Drei-Länder-Eck zu ziehen. Eine für uns höhere und passendere Lebensqualität und die Nähe zu Frankreich waren unter anderem. Argumente für diesen Wechsel. Und was gibt es besseres, als Holzmöbel im Schwarzwald herzustellen?

 

Wir sind vor Kurzem auf deine wundervollen Produkte gestoßen. Kannst du uns erzählen, was genau COCLICO macht?

COCLICO steht für eine achtsame Philosophie integriert in Kindermöbel und inspiriert nach Montessori. COCLICO, das ist auch ein Umdenken der Gestaltung des Interieurs für alle Familienmitglieder.

Die Möbel von COCLICO ermöglichen der Familie, einen Ort des Zusammenseins zu schaffen, in dem Kinder und Erwachsene gemeinsam und für sich leben, arbeiten und spielen. Ein Ort, in dem die eigene Wertschätzung und die des Anderen eine Selbstverständlichkeit sind.

Ursprünglich wollte ich nach meinen zwei Ausbildungen (das Montessori Diplom und eine anthroposophische Ausbildung mit Ansätzen von Emmi Pikler) einen Montessori Raum in Frankfurt eröffnen. Der Business-Plan war fertig, Locations hatte ich mir angeschaut. Nur die richtigen Möbel hatten noch gefehlt. Bei Montessori spielt die „vorbereitete Umgebung“ eine bedeutende Rolle. Hiermit ist gemeint, dass die Räume, in denen sich das Kind aufhält, kindgerecht aufgebaut sind. Größe und Höhe der Montessori Möbel sind auf das Kind ausgerichtet, sodass es es seine Umwelt unabhängig vom Bereich der Erwachsenen erforschen kann.

Aber ich konnte auf dem Markt die nach meiner Vorstellung passenden Kindermöbel nicht finden. Über Kontakte habe ich Olaf Schroeder kennengelernt und ihm mein Projekt vorgestellt. Als Industrial Designer hat Olaf bereits Kindermöbel entworfen und so haben wir uns gegenseitig bereichert. So sind die Montessori Möbel geboren. Anstatt die Möbel für „meinen“ eigenen Montessori-Raum zu nehmen, haben wir uns entschieden, die Kollektion zu vertreiben und insbesondere die Vision COCLICOs, dass das Kind in allen Lebensräumen mit den COCLICO Möbeln ihre Selbstständigkeit erfahren können, jedem ermöglichen möchten. 

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Die Coclico-Kindermöbel überzeugen nicht nur durch das Design ! © COCLICO

Wie kam es dazu, dass dich die Montessori-Philosophie so begeistert hat?

Es ging sehr früh damit los! In meiner ersten Stelle bei Accenture habe ich eine Kollegin kennengelernt, die die einfache Frage gestellt hat: „Was ist, wenn die Norm, die uns vorgelebt wird, gar nicht die Norm ist? Was ist überhaupt „normal“? Und kann ich meine eigene Definition der Norm haben?“ So fing an, vieles in meiner eigenen Erziehung in Frage zu stellen und stieß auf die sogenannte „Alternativ-Pädagogik“. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Kinder haben wollte, habe ich mich sehr viel damit auseinandergesetzt. Es wurde eine meiner Leidenschaften.

 

Was bedeutet es, Möbel nach der Montessori-Philosophie zu entwerfen und wie werden Kinder dadurch in ihrem Wachstum bestärkt?

Das Kind kommt auf die Welt mit zwei Urbedürfnissen: die Verbundenheit und die Autonomie. Das können wir zum Beispiel mit einem Fötus im Bauch der Mutter vergleichen, verbunden durch die Nabelschnur hat es sich selbstständig zu einem Säugling entwickelt.

Mit unseren Möbeln wollen wir diese Urbedürfnisse erfüllen. Die Möbel sind leicht zu tragen. Wenn die Bezugsperson zu Hause den Raum wechselt kann das Kind seinen Stuhl selbst tragen und sich dort aufhalten, wo wir uns befinden. Mit Tisch, Stuhl und vorbereitetem Regal kann das Kind in diesem Lebensraum seinen Tätigkeiten selbstständig nachgehen. Wie oft bekommen wir Erwachsenen zu hören „ich will es allein machen“?

In jedem Montessori Möbel ist alles durchdacht und jedes Details hat eine Funktion: Die Querstreben zum Selber Tragen, das Material zum Entdecken der Sinneserfahrung (glatte und raue Oberfläche), die offenen Regale, die zur Tätigkeit einladen.

 

In welchen anderen Bereichen können Eltern Montessori-Ideen in ihr Familienleben einbringen?

Es fängt mit uns Erwachsenen an: lasst uns weniger Vorurteile und Erwartungen den Kindern gegenüber haben und mehr Vertrauen in das unglaubliche starke Potenzial jedes einzelnen Kindes haben. Mit dieser Haltung können wir das Kind zu Hause zu vielem einladen und liebevoll begleiten.

Ich habe schon die zwei Urbedürfnisse des Kindes beschrieben. Das Kind will Teil der Gesellschaft sein und dazu beitragen. Im warmen Zuhause gibt es so viele Möglichkeiten! Mit dabei sein beim Kochen oder Nachmittagssnack vorbereiten, Gemüse schälen und schnippeln, Apfel oder Banane schneiden, und vieles mehr. Die Küche ist der perfekte Ort der Verbundenheit und Autonomie.

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COCLICOs Produkte sind nicht nur schön und kindgerecht, sondern auch nachhaltig © COCLICO

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich und wie lebst du es privat?

Nachhaltig zu sein liegt uns bei COCLICO sehr am Herzen. Nachhaltigkeit beschränkt sich dabei nicht nur auf die Materialien, es fängt mit dem Gedanken, ja mit dem Bewusstsein an. Vom ersten Gedanken, über das Design, die Materialien, die regionale Produktion bis hin zum Versand agieren wir nachhaltig. Hierfür wurden wir jüngst für zwei unserer Montessori Möbel beim Green Product Awards nominiert: für den Stuhl CLÉMENT und das modulare Regalsystem VICTOR & THÉO.

Zuhause halten wir es ähnlich, es geht mit dem Bewusstsein los. Benötige ich unbedingt diese neuen Schuhe? Ist es ein Bedarf oder ein Bedürfnis? Sind die aktuellen Schuhe zu klein oder beschädigt, ist es klar, dass ein neues Paar notwendig ist. Die Kaufentscheidung fällen wir abhängig von der Verarbeitung, den Materialien und vom Preis. Mit dem Einkauf von Lebensmitteln gehen wir ähnlich um und wir achten darauf, dass wir dadurch wenig bis kein Abfall verursachen.

 

Wie können wir uns einen gewöhnlichen Arbeitstag bei dir vorstellen? Hast du so etwas wie eine Routine?

Ich habe 3 Routinen am Tag. Die allererste ist mein Kaffee! Nachdem ich die Jungs in die Schule gebracht habe, komme ich nach Hause und bereite mir meinen Kaffee vor. Das ist ein Ritual und ich nehme mir meine Zeit dafür. Ich genieße jeden einzelnen Schritt dabei, bis hin zum sanften Streuen des Zimts über der aufgeschäumten Hafermilch. Ein Genuß zum Start des Tages!

Die zweite ist Meditieren. Egal wann. Und die letzte ist, meine To Dos am Ende des Tages für den nächsten Tag aufzuschreiben. So sehe ich, was noch offen ist, was brennt…was ich weniger gerne mache, weil ich es ständig schiebe ;) Damit habe ich einen guten Überblick.

 

Welche Frauenvorbilder inspirieren dich?

Ganz klar Maria Montessori, eine Visionärin. Eine demütige Frau mit einer bedingungslosen Liebe, die die Welt braucht. Ansonsten sind es Frauen aus meinem Umfeld. Meine Mutter für ihre Liebe und als alleinerziehende Mutter, die meiner Schwester und mir so viel für unser Selbstvertrauen gegeben hat. Meine Großmutter, die sich in ihrer, der damaligen Zeitentgegen der allgemeinen Haltung zu Frauen im Beruf und insbesondere in Führungspositionen durchgesetzt hat.

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Elise wurde von den starken Frauen inspiriert und lebt jetzt ihre Leidenschaft zu 100%. ©COCLICO

Ein eigenes Label zu gründen und eigene Chefin sein, klingt für viele verlockend. Aber gibt es bei COCLICO auch Dinge, die dir besonders schwer fallen?

Klar! Steffen, mein Mann und Geschäftspartner, und ich haben unsere jeweiligen Kompetenzbereiche. Dies hat sich ganz intuitiv ergeben. Bereiche, wofür er verantwortlich ist – wie Produktion oder Vertrieb – fallen mir eher schwer.

Das ist wie bei allem: das was eine/n begeistert, wird sich sehr leicht anfühlen, zu machen. In meinem Fall sind es die kreativen und pädagogischen Tätigkeiten für neue Produkte, Produktentwicklung, Pressearbeit. Social Media Marketing fällt mir nicht leicht, denn da geht es darum, mich nach außen zu zeigen, was mir nicht immer einfach fällt… gebe ich zu.

 

Neben deiner Arbeit bist du auch Mutter von zwei Söhnen. Wie bringst du das Mutter-Sein mit deiner eigenen Firma unter einen Hut und hast du besondere Tipps, wie man gut mit Stresssituationen umgeht?

Ehrlich gesagt, ist es nicht jeden Tag einfach. Zum einen ist das Gründen einer Firma mit vielen Verantwortungen und Aufgaben, von denen ich noch keine Ahnung hatte, verbunden. Ich lerne jeden Tag Neues dazu. Es ist spannend, keine Frage. Aber wiederum auch sehr zeitintensiv. Zum anderen sehe ich meine Verantwortung als Mutter als ebenso wichtig an. Vor allem fragen unsere Kinder ganz offen und direkt nach unserer Anwesenheit. Es muss keine visuelle Anwesenheit sein. Es ist ausreichend für sie zu wissen, dass wir für sie da sind, auch wenn sie bei Freunden in der Nachbarschaft zu Besuch sind.

Was mir wichtig ist, ist die klare Kommunikation des Tagesablaufs, damit mein Partner, die Kinder und ich wissen, was auf uns zukommt. So fühlen sie sich nach meiner Erfahrung sicher, abgeholt und gehört.

Wenn ich weiß, dass ich einen Tag voller Termine habe, beruflich und privat, kann ich den Tag unterschiedlich erleben….je nach Gemütszustand, insbesondere wenn sich solche Tage wiederholen. Das Resultat ist eine innere Unruhe, die sich auf Dauer breit macht. Ganz konkret bringe ich eine gewisse Entschleunigung mit ein, das heißt ich laufe langsamer, esse langsamer. Jeder Schritt, jede Handlung führe ich im vollen Bewußtsein langsamer aus.

Wichtig ist mir, dass es mir dabei gut geht und mein eigenes Wohl nicht untergeht. Dies mag vielleicht für einige egoistisch klingen. Aber eine gestresste Mutter brauchen Kinder nicht. In meinem Fall finde ich den Ausgleich beim Singen und Ashtanga Yoga. Ich singe in einem Jazz Chor und habe Gesangsunterricht. Hierfür nehme ich mir MEINE Zeit.

 

Montessori furniture 4Es ist nicht immer einfach, Unternehmerin UND Mutter zu sein. Die tägliche Praxis der Achtsamkeit sowie regelmäßige Yoga- und Gesangsstunden helfen Elise, in der Balance zu bleiben © COCLICO

Was wünscht du dir für die Zukunft für dich und dein Unternehmen?

“RE-THINK the Family Interiors”, unser Claim bei COCLICO. Ich wünsche mir, dass dies gelebt wird: dass wir uns trauen, die Gestaltung unserer Interieurs umzudenken, dass durch unsere Montessori Möbel ein Platz für jedes Familienmitglied mit Selbstverständlichkeit und Wertschätzung zur Verfügung gestellt wird.

 

Es gibt viele Dinge die einem erst klar werden, wenn man darüber spricht. Oft fällt uns gar nicht auf, dass zum Beispiel die meisten Möbel zuhause nur für Erwachsene und nicht für Kinder gemacht sind. Umso toller finden wir die Montessori Möbel von COCLICO, die Kinder mit speziell für sie entworfenen Designs in ihrem Wachstum zu bestärken.

Vielen lieben Dank dir für das tolle Gespräch Elise! Wir haben viel von dir über die Erziehung von Kindern nach Montessori gelernt und werden deinem Tipp folgen, mehr Entschleunigung in unser Leben zu bringen wenn es mal hektischer wird :) Wir wünschen dir weiterhin ganz viel Erfolg und sind gespannt, was wir in der Zukunft von COCLICO erwarten können!

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